Coteaux Champenois
Coteaux Champenois, das ist seit 1974 die weinrechtlich offiziell verankerte Bezeichnung als Appellation (AOC) für alles, was in der Champagne nicht prickelt und als Stillwein verkauft wird. Neun Rebsorten sind zugelassen: Rot gekelterter Pinot Noir (Spätburgunder) stellt den größten Anteil, aber es gibt auch Pinot Meunier (Schwarzriesling) oder weißen Chardonnay. Meist sortenrein. Darüber hinaus Blanc de Noirs und Rosé aus Pinot Noir und/oder Meunier. Minimale Mengen von Fromenteau (Grauburgunder) oder Pinot Blanc (Weißburgunder) und Petit Meslier findet man vereinzelt, vor allem in Cuvées. Theoretisch dürfte man auch aus den Trauben Arbane und Chardonnay Rose keltern. Ist uns noch nie untergekommen. Auch die Piwi-Rebe Voltis darf mit bis zu 10% in die Assemblage. Wie beim Sprudler also.
Die Rebfläche für Schäumer und Stillwein ist ebenso identisch. Das Regelwerk für z.B. Pflanzdichte oder Bewirtschaftung ist natürlich genauso anspruchsvoll und streng. Bekannte Terroirs sind beispielsweise Ambonnay, Aÿ, oder Bouzy Rouge. Hier finden sich auch noch teils wurzelechte Stöcke aus der Zeit vor der Reblauskatastrophe. Zudem gibt es einen Sonderfall: Es ist der nicht sprudelnde Rosé aus der AOC Rosé de Riceys. Schon Ludwig XIV. war ein ausgewiesener Fan dieser Tropfen, einige von ihnen gehören bis heute zu den besten Roséweinen Frankreichs.
Früher war auch der Begriff Vin Nature de Champagne gebräuchlich. Damals waren es noch einfache Weine, die beim Mittagessen auf den Tisch kamen. Aufgrund der steigenden Nachfrage für solche Exoten und nicht zuletzt dank dem Klimawandel sind heute etliche Weltklasse-Tropfen vorhanden.
Eine AOC, die nicht prickelt
Nicht alles, was in der Champagne in Flaschen gefüllt wird, prickelt. Ja, das meinen wir durchaus auch im übertragenen Sinn, aber eben auch im wortwörtlichen – denn neben dem mit der méthode traditionelle hergestellten Kultsprudel werden auch Stilweine produziert. Wobei in der Champagne genau betrachtet, immer zuerst Stillweine produziert werden. Weil ja bekanntlich jeder Champagner im Moment, in dem er in die Flasche kommt, aus einem oder mehreren Stillweinen besteht. Diese Vins Clairs sind ihrer Art nach zu diesem Zeitpunkt aber definitiv nicht mit Genuss zu trinken. Wenig Alkohol, dafür umso mehr Säure, in dem Zustand allenfalls als Testflüssigkeit für die Resilienz von Zahnschmelz und Magenwänden zu gebrauchen.
Mehr Reife, weniger Säure und rar wie ein Einhorn
Vor allem die kleinen, unabhängigen Winzer lassen auf geeigneten Flächen aber auch einen kleinen Teil ihrer Reben deutlich länger Reifen. Diese Trauben reichern mehr Zucker an (und so letztlich auch potenziell mehr Alkohol und Aromen) und eine deutlich reduzierte Säure. Aus entsprechend klassifizierten Gemeinden tragen die so entstandenen Stillweine völlig zurecht den Status eines Grand Cru. Inzwischen sind auch die Stillweine der Champagne zu gesuchten und entsprechend bepreisten Buddeln geworden. Umgehauen hat uns ein Chardonnay von Tellier. Blind von Großem Burgund nicht zu unterscheiden.