Pergola-Reberziehung
Die Pergola ist eine traditionelle Form der Reberziehung, bei der Weinreben an Pfählen und darüber querliegenden Gerüsten in einer dachartigen Konstruktion erzogen werden. Der Stamm wächst dabei meist auf etwa zwei Meter Höhe, darüber breiten sich Fruchtruten und Triebe horizontal aus. So entsteht eine Art grünes „Rebendach“, unter dem die Trauben hängen. In Südtirol ist diese Erziehungsform als Perglerziehung bekannt. Bitte nicht verwechseln mit der gleichnamigen, weinrechtlich geschützten Region Pergola DOC in den Marken. Die Aussprache Dieses System wird vor allem in alpinen bzw. sonnenreichen Regionen eingesetzt, wo ein natürlicher Schutz vor übermäßiger Sonneneinstrahlung und Hitze gewünscht ist. Die Pergola ist ein klassisches Weinkulturerbe und bis heute typisch für das Landschaftsbild einiger Anbaugebiete.
Phonetische Fallstricke
Bei manchen deutschsprachigen Landschaftsgärtner ist in diversen Videos noch von der “Pergohla” die Rede. Bei korrekter Aussprache ist die Betonung jedoch auf der der ersten Silbe. Ergo: PERgola. Das Lehnwort stammt aus dem Italienischen, von Lateinisch pergula, was einen Anbau oder Vorbau bezeichnete. Als Plural hat sich im Deutschen Pergolen durchgesetzt, auf Italienisch ist die Mehrzahl pergole.
Alles unter einem Dach
Charakteristisch für die Pergola ist eine stabile Gerüstkonstruktion aus Holz, Beton oder Metall, die in circa 1,80 bis 2,50 Metern Höhe ein horizontales Dach aus Draht oder Latten bildet. Die Reben wachsen zunächst vertikal nach oben und werden dann auf dieser Fläche ausgebreitet. Die Fruchttriebe und späteren Trauben entwickeln sich unterhalb der Laubfläche und hängen nach unten. Dadurch entsteht eine natürliche Beschattung der Trauben, während die Blätter optimal zur Sonne ausgerichtet sind. Diese Prinzip unterscheidet die Pergola deutlich von Drahtrahmen- oder Spaliererziehungssystemen wie Cordon.
Wo gibt es heute noch Pergolen im Weinbau?
Die Pergola findet sich vor allem in warmen Regionen mit hoher Sonneneinstrahlung wie Südtirol, aber auch in Südamerika oder im östlichen Mittelmeerraum. Sie wird sowohl für Wein- als auch für Tafeltrauben genutzt. Je nach Region existieren Varianten, etwa die Pergola Trentina (Trentino) oder die Pergola Veronese (Venetien). Unterschiede betreffen vor allem Neigungswinkel, Dichte der Laubwand und Schnitttechnik. In Galicien oder im Vinho Verde am Rio Minho wird sie wegen des feuchten Klimas verwendet. Belüftung ist das Stichwort. Dort wird die Pergola Ramada oder Latada genannt.
Vorteile der Pergola-Reberziehung
Ihr größtes Plus liegt im natürlichen Schutz der Trauben. Das eigene Laubdach spendet Schatten, verhindert Sonnenbrand und sorgt für ein kühleres Mikroklima. Gleichzeitig kann die Luft gut zirkulieren, wodurch die Trauben nach Regen schneller abtrocknen und der Fäulnis- und Pilzdruck sinkt. Zudem kann man darunter Gemüse und Pflanzen kultivieren, die mehr Schatten brauchen. Diese doppelte landwirtschaftliche Nutzung war früher für viele Kleinbauern von Vorteil. Und kommt heute bei nachhaltiger Kreislaufwirtschaft wieder zum Zug.
Nachteile der Pergel
Nachteilig ist bei der Pergola vor allem der hohe Arbeitsaufwand und die damit verbundenen Kosten. Durch die Höhe der Anlagen sind viele Arbeiten nur von Hand möglich, eine Mechanisierung ist kaum realisierbar. Auch die Instandhaltung der Konstruktion ist im Vergleich zu Guyot oder Einzelpfählen aufwändiger.
Bedeutung der Pergola heute
Während viele Regionen aus Gründen der Mechanisierung auf Spaliersysteme umgestellt haben, bleibt die Pergola in alpinen und sehr warmen Gebieten ein wichtiges Instrument für klimatische Anpassung. Mit dem fortschreitenden Klimawandel gewinnt ihre schützende Funktion sogar wieder an Relevanz. Die Pergola ist für uns ein wunderschönes Beispiel für das Spannungsfeld zwischen Tradition, Terroir und moderner bzw. wiederentdeckter Weinbaupraxis.