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WEINE AUS DEM BAROSSA VALLEY 

Die für Australien lange Zeit typischsten Weine gibt es in Barossa. Das Tal, das hinter den Adelaide Hills und rund 70 Kilometer entfernt von Adelaide liegt, hat im Laufe der letzten anderthalb Jahrhunderte viele der großen australischen Rotweine hervorgebracht. Barossa steht allerdings nicht nur für Rotwein; denn zu Barossa gehört neben dem Barossa Valley auch das klimatisch ganz anders ausgerichtete Eden Valley. Und das ist Heimat einiger der besten Rieslinge des Landes. In Barossa gibt es heute einige der ältesten Weinberge und Reben Australiens, mehr als 100 verschiedene angebaute Rebsorten und 65 Subregionen, große Weinkonzerne und kleine Boutique-Weingüter, Blockbuster und feine Weine.

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Die ersten Siedler, die nach Barossa kamen, waren vor allem schlesische, preußische und mecklenburgische Landwirte, die in ihrer Heimat damals wenig Chancen hatten. Sie gründeten in den Adelaide Hills und vor allem in Barossa in den 1840er Jahren die ersten Siedlungen wie Krondorf, Bethanien, Hoffnungsthal oder Schönborn. Auch Wenden und Slawen kamen aus Deutschland. Im Jahre 1847 pflanzte der deutsche Einwanderer Johann Grampp aus Aichig bei Kulmbach die ersten Reben am Jacob's Creek und begründete mit Orlando eine der erfolgreichsten Kellereien Australiens. Joseph Seppelt, ein anderer deutschstämmiger Einwanderer, legte in Seppeltsfield den Grundstein für eine weitere große Kellerei. Johann Henschke tat das Gleiche für die bis heute existierenden Henschke Wines. Es gab allerdings auch englische, teils adelige Siedler, die ebenfalls Weingüter gründeten. Dazu gehörten Barossa-Pioniere wie George Fife Angas, der Angaston seinen Namen gab, Joseph Gilbert von Pewsey Vale, Samuel Smith, der Gründer von Yalumba, und William Salter von Saltram. Auch Dr. Christopher Rowan Penfold ließ sich irgendwann in Barossa nieder. Schon damals hatten sich Shiraz (Syrah), Grenache und Mataro (Mourvèdre) etabliert und machten rund 70 % der gesamten Rebflächen in Barossa aus. Heute sind dort Shiraz mit rund 63 % und Cabernet Sauvignon mit rund 13 % führend. Es folgen Grenache, Chardonnay und Merlot. Im Eden Valley, das innerhalb Barossas liegt, sieht es dagegen ganz anders aus. Dort liegt der Riesling mit 30 % vor Shiraz mit 27 %. Es folgen Chardonnay, Cabernet Sauvignon und Merlot. Ein Fun Fact ist übrigens, dass Barossa seit jeher falsch geschrieben wird. Eigentlich ist es benannt nach einem spanischen Bergrücken namens Barrosa, auf dem der damalige britische Generalinspekteur Südaustraliens, Colonel William Light, einst gekämpft hatte. Doch der Verwaltungsbeamte hat aus dem doppelten r ein doppeltes s gemacht. 

Das Einzigartige an Barossa sind die alten Reben. Obwohl es zwischenzeitlich in Australien Neuanpflanzungsprogamme gab, bei denen man den Winzern Geld für das Herausreißen alter und wenig wuchskräftiger Reben zahlte, hatte dies in Barossa kaum Wirkung. Die Winzer dort haben ihre alten Reben immer zu schätzen gewusst. Sie gehörten auch zu den Ersten, die ein Schutzprogramm für alte Reben ins Leben riefen. Es nennt sich Barossa Old Vine Charter und umfasst alle alten Reben der Region in vier Kategorien: Old Vines mit 35+ Jahren, Survivor Vines mit 70+ Jahren (Survivor, also die Überlebenden des Neuanpflanzungsprogramms), Centenarian Vines mit 100+ Jahren und Ancestors Vines mit 125+ Jahren. Tatsächlich gibt es in Barossa immer noch einige Parzellen, deren Reben seit den 1840er Jahren Erträge liefern. Zu denen gehören auch Riesling-Reben von 1847. 

Die rund 11.500 Hektar im Barossa Valley teilen sich in die nördlichen, die zentralen, die südlichen Böden und das Eden Valley auf. Die Northern Grounds liegen auf einer Höhe zwischen 280 und 450 Metern und umfassen Weinberge im nördlichen Teil des Western Ridge und in den Städten Greenock und Stockwell mit Weinbergen wie Seppeltsfield, Marananga, Stone Well, Greenock, Moppa, Ebenezer, Stockwell und Kalimna. Die Böden sind im Wesentlichen geprägt von rotem, gelbem und braunem Lehm über rotem eisenhaltigen Ton. Die Böden sind so tiefgründig, dass hier nur bei jungen Weinen bewässert werden muss. Die Central Grounds liegen auf einer Höhe zwischen 180 und 280 Metern und umfassen Weinberge im südlichen Teil des Western Ridge und in den Städten Tanunda und Nuriootpa mit Weinbergen wie Krondorf, Bethany, Tanunda, Gomersal, Vine Vale, Dorrien und Light Pass. Die Bodenarten sind vielfältiger. Auch hier gibt’s Lehm, aber auch Mergel und Sand. Die Southern Grounds liegen auf einer Höhe zwischen 112 und 220 Metern und umfassen die Weinberge um die Städte Lyndoch, Rowland Flat, Rosedale und Williamstown. Die Böden variieren von schwarzem rissigen Ton bis zu sandigem Lehm über Ton. Das Eden Valley liegt auf 310 bis 540 Metern. Neben Ton und Lehm findet sich dort auch Eisensteinschotter, Quarzschotter und Mergel, sandiger Boden und Glimmerschiefer. 

Das Barossa Valley wirkt bis heute beeindruckend durch seine lange Tradition und einen für Australien sehr klassischen Weinstil. Doch gibt es heute eine ganze Reihe von Young Guns, die diesen Stil verändern und der Zeit anpassen. Dazu gehört der Verzicht auf getoastetes neues Holz, dazu gehören deutlich frühere Lesezeitpunkte und ein biologischer Anbau. Vor allem aber wehren sich immer Winzer gegen die Kellertechnik, die den australischen Weinbau der letzten Jahrzehnte deutlich geprägt hat. Da gehören Aromahefen und Enzyme zur Aufsäuerung und der Versatz von Rotweinen mit Kastanienmehl, um den Tanningehalt zu verstärken. Für immer mehr junge Winzer gehört dies in Barossa der Vergangenheit an.