BURGENLAND – NEUSIEDLERSEE
36 Kilometer lang, eine Fläche von 320 Quadratkilometer: Der Neusiedler See – man beachte die getrennte Schreibweise – ist einer der raren Steppenseen in Europa und der größte See ohne Abfluss in Mitteleuropa. Der weit überwiegende Teil seiner Fläche gehört zum österreichischen Staatsgebiet, ein kleinerer Teil am südlichen Ende zu Ungarn. Er ist auch der prägende Faktor und deshalb Namensgeber des östlichsten aller österreichischen Weinbaugebiete: Das nennt sich ebenfalls Neusiedlersee, schreibt sich aber zusammen in einem Wort.
Neusiedlersee ist auch das nördlichste der fünf spezifischen Weinbaugebiete innerhalb des Bundeslands Burgenland (und damit des gleichnamigen generischen Großgebiets). Und es ist mit 6.200 Hektar Rebfläche zugleich das größte.
Im Osten und Süden schließt sich direkt die Grenze zu Ungarn an, im Nordosten die Slowakei. Die westliche Begrenzung wird zu weiten Teilen vom See-Ufer gebildet. Da der in Richtung Süden einen kleinen Knick nach Osten macht, wird dieser untere Teil im Volksmund traditionell auch gern Seewinkel genannt. Nördlich von Neusiedlersee beginnt mit dem Carnuntum dagegen schon das Weinbaugebiet Niederösterreich.
EIN 320 QUADRATKILOMETER GROSSER WETTERMACHE
Mit seiner recht großen Oberfläche ist der See in vielerlei Hinsicht das zentrale bestimmende Element der Region. Nicht nur optisch, topologisch und kulturell, sondern auch – für den Wein noch deutlich wichtiger – klimatisch. Also großer Wärmespeicher und Feuchtigkeitsspender harmonisiert er die Extreme des kontinental-pannonischen Klimas. Er kühlt bei großer Hitze tagsüber durch Verdunstung und gibt in der Nacht gespeicherte Wärme wieder ab.
Im Herbst sorgt das im Verhältnis zur Umgebungsluft dann immer noch warme Wasser verlässlich für regelmäßige morgendliche Nebel. Auch die sind vinologisch von besonderer Bedeutung. Denn deren Feuchtigkeit bietet dem Botrytis-Pilz idealen Nährboden – vor allem im nah am Wasser gelegenen Seewinkel. Weshalb sich dort auch über Jahrhunderte eine dezidierte Süßweinkultur etabliert hat – und der Zusatz „Seewinkel“ auf den Etikett von edelsüßen Weinen für einige Gemeinden erlaubt ist. Eine besondere Tradition bei edelsüßen Weinen hat hier der Welschriesling.
HOME OF THE ZWEIGELT
Die ersten vier Plätze der Rebsortencharts werden von einer Quadriga allesamt autochthoner Sorten belegt: Auf fast einen Viertel der Rebfläche des Gebiets wird Zweigelt, Österreichs meistverbreitete rote Rebsorte, angebaut. Trotzdem sind hier die weißen Reben insgesamt in der Mehrheit – wenn auch mit 51,6% zu 48,4% nur recht knapp. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Grüner Veltliner und der schon genannte Welschriesling. Auf dem vierten Platz dann die zweite große rote autochthone Sorte Österreichs: der Blaufränkisch. Erst auf Platz fünf findet sich mit dem Chardonnay die erste auch international verbreitete Rebsorte.
SEESCHOTTER UND PARNDORFER PLATTE
Die Geologie des Gebiets wird bestimmt von den ebenen Schotterflächen des Seewinkels im Süden und der in Relation zum See nur rund 30 Meter höheren Parndorfer Platte. Die Böden sind sandig-lehmig mit einem variablen Anteil von darunter liegendem Kies und Schotter. Der ist ein Andenken an die urzeitlichen Verlaufswege, die die Donau einst auf ihrem Weg in Richtung Südosten genommen hatte. Die Lehmdecke obenauf ist meist eher dünn. Es finden sich aber auch reine Schotterböden – und zwar sowohl mit eher hohem als auch mit recht niedrigem Kalkgehalt.
DIE DAC
Aber nicht alles, was am Neusiedler See wächst, darf sich auch so nennen. Wenigstens nicht, wenn es um die Neusiedlersee-DAC geht. Die wurde 2011 eingerichtet – und zwar zuerst nur für trocken ausgebaute Rotweine aus Zweigelt. Der Zusatz Reserve ist dann erlaubt, wenn bestimmte qualitative Voraussetzungen in Sachen Sensorik und Lagerzeit erfüllt sind. Seit 2020 darf die Bezeichnung auch für weiße Prädikatsweine verwendet werden. Als Neusiedlersee-DAC für fruchtsüße Weine aller weißen Qualitätsweinsorten, als Neusiedlersee DAC Reserve für alle edelsüßen Weine aus weißen Qualitätsweinsorten. Trockene Weißweine oder die qualitativ zum Teil durchaus beachtlichen Roten aus Sorten wie Blaufränkisch, St. Laurent oder Pinot Noir bleibt die DAC allerdings verwehrt. Sie dürfen nur unter dem generischen Gebietsnamen Burgenland vermarktet werden.