
Der große Irrtum der Weinbranche
Die Familie Gatinois keltert ernstzunehmende Weine, die unglaublich viel Spaß machen und für die der Grundwein die ausschlaggebende Basis ist. Seit 2010 hat Louis Cheval-Gatinois die Weinbereitung auf diesem traditionsreichen Gut übernommen. Winzerchampagner in seiner wahrhaftesten, sympathischsten und genussvollsten Art.
Der Stil unseres Hauses ist geprägt durch eine lange Familiengeschichte und durch die Charakterzüge unseres einzigartigen Terrois in und um Aÿ. Meine Art und Weise, die Geschichte weiterzuschreiben und Champagner zu produzieren, hat die Philosophie von Gatinois aber kaum verändert. Es geht weiterhin darum, die Qualität und die Besonderheiten des Terroirs zu bewahren und in den Fokus unserer Cuvées zu stellen.

„Les mains du terroir“ wird in der Tat angetrieben durch der Leidenschaft Erfahrungen und Wissen zu teilen. Zum einen teilen wir diese mit den Liebhabern unserer Schaumweine, zum anderen sprechen wir gemeinsam über die Unterschiede, die Stile und Qualitäten, die wir hier in der Region produzieren. Sehr wichtig für alle ist die jährliche „printemps des champagnes“, um unsere neuen Champagner einem professionellen Publikum vorstellen zu können. Es ist aber auch für uns eine gute Möglichkeit, Techniken, Tricks und Probleme untereinander auszutauschen. Oh, und ein paar Flaschen Champagner teilen wir natürlich auch… eh klar.
Ich arbeite nur mit Trauben aus der Region Aÿ, dessen 355 Hektar Weinberge als Grand Cru eingestuft sind. Vor der Bezeichnung Grand Cru steht für mich allerdings das Terroir mit seiner außergewöhnlichen Qualität und einzigartigen Stilistik. Die Ausprägung der Aromen, wie die unseres Pinot Noirs, zeigen den subtilen Einfluss des Terroirs grandios. In Anbetracht der Qualität und des Stiles, cuvetiere ich unsere Grundweine mit dem Ziel der größtmöglichen Entfaltung im Glas. Ich betrachte also meine Arbeit eher als wegweisend und beschützend gegenüber dem Ausdruck des Terroirs.

Das ist wohl die perfekte Beschreibung des Jahres! 2021 kam all das in einem Jahr zusammen, wovor wir uns und unsere Trauben sich am meisten fürchten. Wir haben ein wirklich hartes Jahr hinter uns. Die Erntemenge fiel im Vergleich mit vergangenen Jahren eher klein aus. Allerdings sind die Qualitäten in der Region, von Terroir zu Terroir und sogar von Nachbar zu Nachbar, enorm unterschiedlich. Ich gehöre zu den Winzern, die etwas mehr Glück hatten als manch andere. Die Anstrengungen unserer Arbeit haben sich gelohnt und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis, sowohl mit der Qualität als auch mit der Quantität. Im Moment befinden sich die Weine noch im Tank oder Fass, aber was ich in den letzten Tagen riechen und schmecken durfte, macht mich zuversichtlich und glücklich. Da steigt die Freude auf den Winter, wenn die Arbeit mit den Grundweinen richtig losgeht. In solch einem Jahr bin ich umso dankbarer, dass ich die Möglichkeit habe, auf einem Terroir wie diesem, Reben anbauen zu dürfen, die einmal mehr ihre Qualität bewiesen haben.
Diese Frage beschäftigt uns in der Tat schon lange und ist ein großes Thema. Ja, in den letzten 10 Jahren haben wir eine Zunahme der Temperaturen und immer frühere Lesezeitpunkte wahrnehmen können. Das hat natürlich Auswirkungen auf unsere Reben und deren Trauben. Im Moment sind diese Entwicklungen noch als recht positiv zu sehen, denn die warmen Jahre haben fabelhafte Reifegrade und somit zukünftige große Jahrgänge zur Folge. Wenn sich diese Tendenz allerdings fortsetzt, werden wir uns mit neuen Fragen auseinandersetzen müssen. Arbeitsrhythmen werden sich ändern, das Weinbergsmanagement muss überdacht werden und die Arbeit im Keller mit den diversen Grundweinen wird auch anders vonstattengehen.

Das ist korrekt. Ich bewirtschafte ein paar Weinberge im Herzen von Aÿ mit Pinot Reben, die mittlerweile älter als 60 Jahre sind. Diese alten Damen, wie ich sie nenne, produzieren einzigartige Trauben, die wir auf den ersten Blick wiedererkennen: kleine Beeren, weniger kompakte Trauben, mit einem unvergleichlichen Maß an Reife, Konzentration und stets mit feiner Frische. Die Weine dieser Reben sind das Herz meiner Cuvées.
Superstar ist definitiv kein Wort, das ich mit der Gatinois-Philosophie in Verbindung bringen würde und noch weniger mit mir selbst. Qualität, Beständigkeit, Handarbeit und Leidenschaft stehen im Mittelpunkt meiner Arbeit. Ich surfe definitiv nicht auf der Welle aktueller Trends und widerstehe häufigen Veränderungen. Gatinois war bereits für seinen Stil und seine Qualität bekannt, bevor ich das Weingut meiner Eltern Marie-Paule und Pierre übernommen habe. Mein Ziel war es, diesen Stil und vor allem die Qualität beizubehalten. Mir gefällt die Idee, Weine herzustellen, die man in Erinnerung behält und auch Jahre später auf der Zunge wiedererkennt. Manche Kunden und Champagner-Liebhaber erzählen mir manchmal, dass sie beeindruckt sind von der Möglichkeit, Champagner mit solch einer Persönlichkeit, Qualität und Kontinuität herzustellen. Meinen Weinen, auf die ich wirklich sehr stolz bin, könnte ich den Titel „Superstars“ geben, aber ich persönlich ziehe es vor, mich hinter den Flaschen zu verstecken.

2011 war der letzte Jahrgang, den wir zum Kauf angeboten haben und die letzten Flaschen haben nun unseren Keller für das „It’s all about champagne“ – Meeting verlassen. Aber keine Angst, wir denken im Keller immer an die Zukunft und hatten in den letzten Jahren Glück. Es liegen großartige Jahrgänge mit der passenden Qualität, dem richtigen Stil und perfekter Ausgewogenheit für einen Jahrgangschampagner in den Tanks und Fässern. So viel kann ich verraten: Der 2012er steht in den Startlöchern, die Welt zu entdecken.