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Willkommen im neuen Kalifornien

Was auch immer Ihr über kalifornische Weine denkt, schiebt es bitte mal kurz beiseite. Es gibt zwar jede Menge berechtigter Vorbehalte, aber Kalifornien ist erheblich vielfältiger, als im Allgemeinen angenommen wird. Das Land hat eine Ertragsfläche, die mehr als doppelt so groß ist wie die Deutschlands. Die Weinbaugebiete befinden sich in fünf verschiedenen Klimazonen und sind so unterschiedlich wie das Roussillon und Saale-Unstrut. Klar, in Kalifornien werden nicht gerade wenige warme, weiche, süßliche und marmeladige Weine produziert. Doch gibt es eben auch das genaue Gegenteil. Und wir beschäftigen uns hier mit diesen anderen Weinen und mit deren Produzenten. Sie gehören zur noch jungen Indie Wine Scene, die genau das macht, was man von den Menschen im Sunshine State eigentlich erwartet. Weinmacher wie Duncan Arnot Meyers und Nathan Lee Roberts sind Goldgräber, unkonventionell und unangepasst, experimentierfreudig und frei. Dabei wissen sie allerdings sehr genau, was sie tun. Sie verstehen ihr Handwerk, und das sollte Grundlage aller Weinbereitung sein.

Kaliforniens Weinbau ist eine Sache der Einwanderer

Kaliforniens Weingeschichte begann ähnlich wie die in Mexiko, Argentinien oder Chile mit der Einwanderung spanischer Missionare, welche die sogenannte Missionsrebe aus Spanien mitbrachten, um Messwein zu keltern. Die Anwesenheit der Missionare war allerdings nicht überall von großer Dauer, und das meiste, was an Trauben geerntet wurde, hat man zu Schnaps gebrannt. Der moderne Weinbau begann mit Ágoston Haraszthy, einem Ungarn, der hunderte europäischer Reben einführte, von denen sich jedoch nicht besonders viele gehalten haben, immerhin aber – neben den bekannten vor allem französischen Sorten – der Tribidrag, besser bekannt als Zinfandel und in Apulien als Primitivo. Haraszthy hat 1860 die Buena Vista Winery gegründet. Ihm folgten Charles Krug und Paul Masson und viele weitere Gründer. 1880 wurden schon mehr als eine Millionen Hektoliter abgefüllt, dann wurden allerdings auch die USA von der Reblauskatastrophe heimgesucht. Später folgte die Prohibition bis 1933, und in den Kriegszeiten wurden ebenfalls keine Weingüter gegründet.

 

Mit Mondavi und Co. erfindet sich Kalifornien neu

Neuer Schwung kam erst in den 1960er Jahren mit Pionieren wie Robert Mondavi, Joe Heitz, Paul Draper, André Tchelistcheff oder Warren Winiarski. Sie haben damals mit teils einfachsten Mitteln europäische Weinbereitungsmethoden in Kalifornien nachvollzogen und den Gegebenheiten dort angepasst. Was entstand, waren Weine eines neuen Typs. Mondavis Fumé blanc zum Beispiel, ein Sauvignon mit Rauchnoten, wie man sie auch im Pouilly-Fumé findet, war damals in Kalifornien völlig neu. Anfang der 1970er wurden auch die ersten Monte Bellos der Ridge Winery abgefüllt. Und 1973 entstand ein Cabernet Sauvignon aus dem Stag’s Leap District, der Legende werden sollte. Und das war genau das, was der kalifornische Weinbau dringend benötigte: Aufmerksamkeit und die Schaffung ikonischer Weine.

Arnot-Roberts Sonoma County - Cabernet Sauvignon
Arnot-Roberts Sonoma County – Cabernet Sauvignon

Ein Wein-Tasting in Paris sorgt für Schub

Beides sollte geschehen, und zwar während eines kleines Weintastings in Paris im Jahr 1976. Der Engländer Steven Spurrier, damals Weinhändler und Leiter einer Weinschule in der französischen Hauptstadt, hatte einige bekannte Namen der französischen Weinkritik eingeladen, um in einer Blindverkostung französische Crus mit kalifornischen Weinen zu vergleichen. Damals war, was Wein anging, Frankreich alles und Kalifornien nichts. Deshalb haben auch alle namhaften Kritiker zugesagt. Was sollte schon passieren? Die Kalifornier würden gnadenlos abgestraft werden. Einige der damals anwesenden Kritiker machten sich tatsächlich über die Qualität verschiedener Weine lustig. Nur, dass ihnen eben nicht klar war, dass sie gerade französische Crus im Glas hatten. Was tatsächlich geschah, haben die französischen Medien genauso wie die anwesenden Kritiker totzuschweigen versucht. Allerdings war damals auch ein Reporter des New Yorker Time Magazin anwesend, der einige Tage später auf der letzten Seite des Magazins eine Randnotiz veröffentlichte: Weine aus dem Napa Valley siegen bei einer Blindverkostung vor Cru-Classé-Weinen aus Bordeaux und Burgund.

Judgement of Paris 1976 -Photo Bella Spurrier
Judgement of Paris 1976 -Photo Bella Spurrier

Tatsächlich hatten die Franzosen den ersten Jahrgang des Château Montelena Chardonnay höher bewertet als verschiedene burgunidsche Weine wie beispielsweise den Mersault Les Charmes von Roulot und den 1973er Stag’s Leap Cabernet vor Mouton-Rothschilds Haut-Brion und Konsorten taxiert. Dieses Tasting, das als Judgement of Paris in die Weingeschichte eingegangen ist, sollte in Napa Valley und später auch im restlichen Kalifornien den Weinbau vollständig verändern. Die Bodenpreise schossen in den Himmel, Investments wurden getätigt, und der Weinbau ging sowohl in die Breite (von rund 25 Erzeugern und einigen hundert Hektar auf über 2.000 Erzeuger mit 200.000 Hektar) als auch in die Höhe; denn kalifornische Weine wie der Screaming Eagle zählen heute zu den rarsten und teuersten Weinen der Welt.

Santa Cruz Mountains - Pinot Noir
Santa Cruz Mountains – Pinot Noir

Wein wird technisch

Die Erzeugung von Wein ist dabei im Laufe der Zeit immer technischer geworden. Weine werden mit Dutzenden von Zusatzstoffen und mit hohem technischen Aufwand in ihre Bestandteile zerlegt und wieder zusammengesetzt, aufgehübscht und gefällig gemacht. Süße spielt dabei eine große Rolle; denn der allgemeine US-amerikanische Geschmack setzt auf Süße. Und neben dem Zucker spielen weitere Charakteristika eine große Rolle – auch bei Top-Weinen: Konzentration, Alkohol (der wirkt auf der Zunge schließlich auch süß), viel Holz und eine reife, konzentrierte Frucht. All diese Merkmale haben dazu geführt, dass sich eine Vielzahl von Weintrinkern in Europa von den zwischenzeitlich auch hier erfolgreichen kalifornischen Weinen abgewandt hat.

 

Zurück zu Vielfalt und Eleganz

Erst langsam wird deutlich, dass es von der Northcoast (Napa, Mendocino, Sonoma, Los Carneros) über die Central Coast (Paso Robles, Santa Barbara), die Inland Valleys rund um Lodi und Sacramento bis in den tiefen Süden von San Diego doch eine ganze Reihe von Winzern gibt, welche die konzentrierte Marmelade genauso satt haben wie wir. Cabernet und Syrah, Chardonnay und Grenache bekommt man auch in Kalifornien frisch, knackig und saftig. Und neben den klassischen Sorten gibt es noch mehr zu entdecken. Bei Arnot-Roberts sind es zum Beispiel Gemischte Sätze, also Weine von Pflanzungen, in denen zig verschiedene Sorten zusammen gepflanzt wurden. Die beiden Weinmacher haben außerdem Weinberge mit Sorten wie Ribolla Gialla, Trousseau und Touriga Nacional gefunden und erzeugen daraus einen neuen Typus kalifornischer Weine. Und genau das ist es, was in Kalifornien zeitweise völlig ins Hintertreffen kam: der Experimentiergeist in Verbindung mit gutem Handwerk, die Suche nach kühlen Höhenlagen, eine aufwendige, dem Klima angepasste Weinbergsarbeit und hands off im Keller führen schließlich zu feinen und eleganten Weinen. Es ist an der Zeit, diese Weine neu zu entdecken.

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Name des WeinesSoulfaktorPreis

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