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Trollinger a.k.a. Schiava Grossa, Vernatsch

Stolze 20 % der Rebfläche Württembergs sind mit der roten Rebsorte Trollinger (a.k.a. Schiava Grossa, Vernatsch) bestockt. Doch dessen Ansehen steht in einem seltsamen Missverhältnis zu seiner Verbreitung im Ländle. Seine Qualität sei proportional zur Tiefe der Farbe der aus ihm vinifizierten Weine heißt es: beides eher schwächlich. Das ist einerseits wahr, andererseits aber etwas unfair. Denn aus Trollinger werden von engagierten Winzern wie Rainer Schnaitmann in den letzten Jahren zunehmend auch bemerkenswert eigenständige und hochklassige Weine vinifiziert.

Aber zugegeben: Ein nicht kleiner Teil des in Deutschland produzierten Trollingers dient zur Produktion eher einfacher Alltags-Qualitäten für sparsame Schwaben. Sein Name hat übrigens nichts mit Legenden um gnomhafte Fabelwesen zu tun, sondern beruht auf einer Zusammenziehung des Wortes Tyrolinger, war also einst ein Hinweis auf die Herkunft der Sorte aus dem alpenländischen Raum. Dort ist sie unter zwei anderen Namen bekannt: Schiava in der italienisch geprägten Lombardei, Vernatsch im deutschsprachigen Südtirol. Wobei letzterer seinem lateinischen Stamm nach übersetzt Einheimischer heißt (vernaculus bedeutet ––>autochthon).

Schiava, der Name, unter dem die Sorte meist in den internationalen Rebsortenverzeichnissen gelistet ist, ist bei genauerer Betrachtung eine ganze Familie mit den Untersorten Bianca, Gentile, Grigia, Grossa, Lombarda, Meranese und Nera Toscana, die sich alle nicht nur in der Farbe der Beeren unterscheiden, sondern zum Teil auch in der Form der Trauben, der Farbe der Blüten oder dem Zeitpunkt ihrer Reife.

Der Trollinger ist gleichbedeutend mit der Variante Schiava Grossa, dem wichtigsten und verbreitetsten Mitglied der Schiava-Familie. Die Sorte ist mittel bis spät reifend und anfällig sowohl für Echten als auch für Falschen Mehltau (a.k.a. —>Oidium und —>Peronospora), dafür aber – besonders wichtig im Ursprungsraum Alpen – extrem winterhart. Sie liefert fruchtbetonte und recht helle Rotweine mit gefällig weichen Tanninen. Als typische Aromen gelten ein dezenter Mandelton und Noten von Veilchen.

Schon seit dem 15. Jahrhundert liefert die Sorte auch den Schwaben ihren Ländle-Roten. Fortgepflanzt hat sie sich seitdem auch: Zusammen mit dem —>Riesling ist sie Elternteil prächtiger Kinder wie Kerner und Rotberger, zusammen mit dem —>Silvaner [Eintrag folgt im nächsten Batch] hat er die Bukettraube hervorgebracht und zusammen mit dem Pinot Noir Précoce a.k.a. —>Frühburgunder [Eintrag ebenfalls im nächsten Batch] den Helfensteiner. Als Schiava Grossa ist der Trollinger auf knapp 60 Hektar in den italienischen Alpen zu finden, als Vernatsch inklusive der Weiterzüchtung Schiava Gentile auf gut 570 Hektar. Im württembergischen Ländle, dass 98% der deutschen Anbaufläche stellt, steht er auf nicht ganz 2.200 Hektar. Weitere, sehr kleine Flächen finden sich noch in der Schweiz, in England und sogar in Japan (!).